LTW 2017: So hat Wipperfürth gewählt


Das Wahlergebnis der Landtagswahl 2017 für Wipperfürth

Auch in Wipperfürth wird die CDU erwartungsgemäß stärkste Kraft. Die FDP erlangt mit über 13 Prozent eines ihrer bislang besten Ergebnisse in der Hansestadt. AfD und Linke bleiben mit jeweils deutlich unter 5 Prozent hinter dem Landesschnitt zurück.

Alle Daten und Statistiken zum Nachlesen gibt es hier.

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Oberbergische Bundestagsabgeordnete stellt Strafanzeige gegen Björn Höcke


Online-Strafanzeige gegen Björn Höcke (AfD) wegen Volksverhetzung

Die oberbergische Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier (SPD) kündigte am gestrigen Abend an, den AfD-Funktionär Björn Höcke nach seiner umstrittenen Rede am Dienstag in Dresden wegen Volksverhetzung anzuzeigen.

Die 56-jährige SPD-Politikerin erklärte am Mittwochabend auf ihrer Facebook-Seite, dass sie sich dazu entschlossen habe, gegen Höcke Strafanzeige zu stellen. „Immer nur reden und empört aufschreien hilft nicht viel. Volksverhetzung ist ein schwerwiegender Strafbestand!“, so Engelmeier. Damit steht die Oberbergerin nicht allein da: Auch die Linken-Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch kündigten am Mittwoch an, Anzeige gegen den AfD-Vertreter zu erstatten. Zudem fordern die Bundestagsabgeordneten Eva Högl (SPD) und Özcan Mutlu (Grüne), die Thüringer Landtagsabgeordnete Katharina König (Linke) und Anwalt Mehmet Daimagüler, der die Angehörigen eines NSU-Opfer im Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe vertritt, ein Disziplinarverfahren gegen den verbeamteten Geschichtslehrer.

Björn Höcke hatte bei einer Rede am Dienstag im Dresdner Brauhaus Watzke zum Berliner Holocaust-Mahnmal gesagt, dass „wir Deutschen“ das einzige Volk seien, „das sich ein Denkmal der Schande ins Herz der eigenen Hauptstadt gepflanzt hat“. Der deutsche Gemütszustand sei der „eines brutal besiegten Volkes“. Zu seinen politischen Zielen stellte Höcke zudem fest: „Ich zeige euch den langen entbehrungsreichen Weg zum absoluten Sieg! Denn die AfD braucht den absoluten Sieg!“. Seine Anhänger forderte er dazu auf, sich „im Dienst am Vaterland“ zu „verzehren“. „Ich möchte euch als neue Preußen!“, so der 44-Jährige in seiner Rede.

Barbara Kisseler ist tot


Barbara Kisseler im Mai 2012 beim Nachwuchspreis von „Studio Hamburg“

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb am vergangenen Freitag die langjährige Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler nach schwerer Krankheit im Alter von 67 Jahren. Geboren am Niederrhein, wuchs die parteilose Politikerin in Hückeswagen auf und ging in den 60er Jahren auf das Wipperfürther St.-Angela-Gymnasium, wo sie im Juli 1970 ihr Abitur ablegte.

„Unsere Kultursenatorin hat bis zum Schluss dafür gekämpft, sich schon bald wieder mit voller Kraft für diese Stadt und ihre Kultur einsetzen zu können. Auch ich habe gehofft, dass sie diesen Kampf gewinnen wird.“ So äußerte sich Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) am Montagmittag, als er den Tod der beliebten Kulturpolitikerin bekanntgeben musste. Kisseler galt seit langen Jahren bundesweit als eine der profiliertesten Vertreterinnen ihrer Zunft, wurde im Sommer 2015 als erste Frau an die Spitze des Deutschen Bühnenvereins gewählt. Der Deutsche Kulturrat bezeichnete Kisseler als „eine empathische Kämpferin für Kulturpolitik“.

Nachdem Kisseler im Sommer 1970 am St. Angela ihr Abitur erlangte, studierte sie an der Uni Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften sowie Germanistik und Pädagogik. Anschließend war sie nach Stationen beim Deutschlandfunk und beim WDR im Kulturdezernat der Stadt Bonn tätig, bevor sie 1982 das Kulturamt der Stadt Hilden übernahm und 1986 zur Leiterin des Düsseldorfer Kulturamts ernannt wurde. Im Juli 2003 wurde Kisseler Staatssekretärin für Kultur im Berliner Senat, 2006 übernahm sie dann den Vorsitz der Senatskanzlei. Im Vorfeld der Bundestagswahl 2009 wurde sie von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier in sein Kompetenzteam berufen. Zur Hamburger Kultursenatorin wurde Kisseler schließlich im März 2011 ernannt.

„Fahrt nach Hückeswagen zum Einkaufen!“


Großbaustelle: Die Bauarbeiten in der Unteren Straße schreiten voran

Man könnte glatt meinen, dass sich einige Wipperfürther sehnlichst den Tod ihrer Innenstadt herbeiwünschen. Dieser Eindruck entsteht zumindest, schaut man sich zahlreiche Beiträge der letzten Tage in diversen Facebook-Gruppen an. Ein Kommentar zum Gebaren der Wipperfürther Wutbürger, die sich selbst als „Kritiker“ bezeichnen.

Auf Facebook geht es oft hoch her – egal, zu welchem Thema. Im Schutze einer vermeintlichen Anonymität des Internets kann jeder, der sich dies von Angesicht zu Angesicht im Leben niemals trauen würde, mal so richtig vom Leder ziehen und seinen Emotionen freien Lauf lassen. In letzter Zeit sind es immer häufiger die oft zitierten „Wutbürger“, die ihren Überschuss an Tagesfreizeit dazu nutzen, in den sozialen Netzwerken wahlweise gegen „linksversiffte Gutmenschen“, die „etablierten Altparteien“ oder einfach gegen alles einzutreten, was in ihren Augen als „Skandal“, „Eklat“ oder „Produkt des verbrauchten Systems“ zu werten ist.

In den Facebook-Gruppen „Du weisst du bist Wipperfürther wenn…“ und „WippTalk“ geht es meist noch verhältnismäßig gesittet zu. Und doch ufern auch dort zahlreiche „Diskussionen“, die oft nur noch sehr rudimentär als solche bezeichnet werden können, in stumpfe Beleidigungen, unbewiesene Behauptungen und vorsätzliche Falschaussagen aus. Im Fokus steht dabei die Großbaustelle in der Wipperfürther Innenstadt. Wie kaum ein anderes Thema erhitzt das „Integrierte Handlungskonzept“ (InHK) und dessen Umsetzung die Gemüter. Vor allem der Einzelhandel klagt über erhebliche Probleme seit Beginn der Arbeiten, sorgt sich über die ausbleibende Kundschaft und prangert das Baustellenmanagement seitens der Verwaltung an.

Das wohlige Gefühl in der Magengegend, etwas „Gutes“ getan zu haben

Während überzeugte Lokalpatrioten gerade in derartig schwierigen Zeiten den örtlichen Einzelhandel und damit „ihre“ Stadt so gut es eben geht unterstützen würden, zeigt sich in den Wipperfürther Facebook-Gruppen ein gänzlich anderes Bild: Die Postings werden im Wesentlichen bestimmt von Beschwerden. Gründe dafür gibt es offenbar genug. Ob gesperrte Straßen, für Veranstaltungen gesperrte Parkplätze, zu viele leere Parkplätze, zu wenig Parkplätze, kostenloses Parken für Elektroautos, in Kauf zu nehmende Umwege, die Bauarbeiter, die Verwaltung, der Rat, der Bürgermeister: Das Repertoire der Unzufriedenen ist groß und die Liste ließe sich ewig fortführen. Hauptsache, man kann sich beschweren und genießt anschließend das wohlige Gefühl im Bereich der Magengegend, etwas „Gutes“ getan zu haben.

Denn tatsächlich wähnen sich selbsternannte „Kritiker“ mit sinnfreien Aufforderungen wie „Fahrt nach Hückeswagen zum Einkaufen!“ in dem geradezu törichten Glauben, sie würden der Stadt und ihrem Einzelhandel durch eine permanente Berieselung der Wipperfürther Facebook-Gemeinde mit vermeintlich skandalösen Aufdeckungen rund um die Durchführung der Bauarbeiten einen Gefallen tun. In der Realität erweisen sie ihrer Heimatstadt jedoch einen regelrechten Bärendienst. Schon längst haben die Bewohner der Nachbarkommunen und damit eine hohe Zahl an potentiellen Kunden des Wipperfürther Einzelhandels mitbekommen, dass sich das Einkaufen in der Hansestadt angeblich nicht mehr lohnt. Wer ständig liest und hört, dass das Parken in Wipperfürth nicht mehr möglich sei, man ständig im Stau stehe und zahllose Umwege nehmen müsse, kauft eben früher oder später nur noch im Heimatort oder anderswo.

Wer Widerworte gibt, ist „dumm“ oder ein „Systemschaf“

Wagt es mal jemand, den Sinn der systematischen und fast schon propagandistisch anmutenden Beschwerden durch die vermeintlichen „Kritiker“ in Frage zu stellen, wird man beleidigt, für „dumm“ oder zum „Systemschaf“ erklärt. Widerworte sind nicht gewollt. Wer anderer Meinung ist, hat es „nicht geschnallt“. So sind sachliche und zielorientierte Diskussionen in den Wipperfürther Facebook-Gruppen zum Thema InHK kaum noch möglich und deren Reichweite im hohen vierstelligen Bereich sorgt verlässlich dafür, dass auch die benachbarten Städte und Gemeinden mit der dort ansässigen Lokalpresse vom „Zank und Streit“ in Wipperfürth Wind bekommen.

Gerechtfertigte Kritik, die es im Rahmen der Umsetzung eines derartigen Großprojekts wie dem InHK immer gibt und zwangsläufig auch geben muss, direkt an die ausführende Baufirma oder an die Verwaltung heranzutragen, scheint für die Wipperfürther Facebook-Wutbürger also offenbar nicht gewinnbringend oder befriedigend zu sein. Bleibt nur die leise Hoffnung, dass die schweigende Mehrheit der Hansestädter den Scharfmachern während der restlichen Bauzeit kein Gehör mehr schenkt und man demnächst auch in unseren Nachbarkommunen wieder öfter vernehmen kann: Fahrt nach Wipperfürth zum Einkaufen!

LEADER: „Bergisches Wasserland“ wird in Millionenhöhe gefördert

3,1 Millionen Euro stehen dem „Bergischen Wasserland“ mit den Kommunen Burscheid, Kürten, Odenthal, Wermelskirchen, Hückeswagen, Marienheide, Radevormwald und Wipperfürth bis zum Jahr 2020 für innovative Projektideen zur Verfügung. Die Region hatte sich in einem Förderwettbewerb mit insgesamt 43 Teilnehmern durchgesetzt.

LEADER – abgekürzt für „Liaison entre actions de développement de l’économie rurale“ – zielt bereits seit einigen Jahrzehnten auf die Förderung ländlicher Räume innerhalb der Europäischen Union ab. Schon Anfang der 90er Jahre wurden strukturell benachteiligte und rural geprägte Regionen in zwei Förderperioden durch den „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ (EFRE) unterstützt. Seit der Fortführung des Programms mit „LEADER+“ ab der Jahrtausendwende und zwei weiteren Förderperioden bis zum Jahr 2020 dürfen sich zunehmend auch ländliche Räume in der Bundesrepublik über eine umfangreiche Förderung durch die EU freuen.

Das „Bergische Wasserland“ – so nennt sich das Zweckbündnis aus den rheinisch-bergischen Kommunen Burscheid, Kürten, Odenthal und Wermelskirchen sowie Hückeswagen, Marienheide, Radevormwald und Wipperfürth auf oberbergischer Seite – hat sich in einem NRW-weiten Wettbewerb mit 43 Teilnehmern für die Förderperiode von 2014 bis 2020 neben 28 ähnlichen Zusammenschlüssen durchgesetzt. Insgesamt stehen Fördermittel in Höhe von 75 Millionen Euro zur Verfügung, davon wird das „Bergische Wasserland“ 3,1 Millionen erhalten.

162 Projekte wurden für die Bewerbung eingereicht

Was aber nun anstellen mit dem Geldsegen? Nach dem LEADER-Ansatz sollen die Mittel insbesondere für die Stärkung und Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsplätzen, aber auch von Tourismus, Lebensqualität, Dorfleben, Kultur sowie für Projekte gegen den Klimawandel verwendet werden. Ein weites Themenfeld also, das viel Spielraum für innovative Projektideen bietet. So hatten Vereine, Organisationen, Kommunen und Einzelpersonen im Vorfeld der Bewerbung für die LEADER-Förderung insgesamt 162 Projekte eingereicht. Das Ganze unter dem Leitbild einer regionalen Entwicklungsstrategie, die vier Handlungsfelder beinhaltet.

Innerhalb des Handlungsfelds „Leben und Arbeiten“ wurden für Wipperfürth unter anderem eine Kooperation der Berufskollegs zur Sicherung und Stärkung der beruflichen Bildung in der Region, ein sogenannter „Bildungsstättenleuchtturm“ sowie das Pfadfinderbegegnungszentrum als mögliche zu fördernde Projekte formuliert. Im Hinblick auf „Naherholung und Tourismus“ sind auf Wipperfürther Stadtgebiet ein Ausbau der Themenwege, die Ergänzung um Aussichtspunkte und Rastplätze, ein „GastroRadweg“ sowie ein flexibles Rad-Leihsystem angedacht.

Einrichtung eines Fahrradbus-Verkehrs vom Rhein bis nach Oberberg?

Neben einzelnen, jeweils auf die Städte und Gemeinden des „Bergischen Wasserlands“ bezogenen Projektideen wurden auch zahlreiche kommunenübergreifende Vorschläge eingereicht. Unter anderem ist die Einrichtung eines Fahrradbus-Verkehrs vom Rhein bis nach Oberberg in Kooperation mit der OVAG geplant. Darüber hinaus stellen der Breitbandausbau, die Sicherstellung der ländlichen Nahversorgung, die Vernetzung der einzelnen Bürgerbusse, E-Mobilität sowie interkommunale Zusammenarbeit die großen Themen dar.

Nicht alle Projekte können gefördert werden, da die Mittel begrenzt sind. Insgesamt werden als LEADER-Region in der Regel zwischen 40 und 60 Projekten umgesetzt. Zwischen dem 21. Juli und 16. September diesen Jahres läuft die Projektaufrufphase, in der nochmal alle Projektideen eingereicht werden können. Ab dem 11. November werden dann die Anträge durch die Bezirksregierung geprüft und über die Zuwendung aus dem Fördertopf entschieden. Alle Projektträger können sich zuvor umfangreich durch das Regionalmanagement beraten lassen.

>> LEADER Bergisches Wasserland

Neustrukturierung des Kürtener Nahverkehrs: Auch Wipperfürth könnte profitieren


Demnächst als Schnellbus über Wipperfeld nach Bensberg oder Duckterath?

Im rheinisch-bergischen Kürten ist Mobilität zur Zeit das ganz große Thema. Neue Schnellbuslinien und Park-and-Ride-Plätze sind angedacht, um die zahlreichen Pendler aus der Gemeinde schneller in Richtung Gladbach und Köln zu bringen. Von den geplanten Änderungen im ÖPNV könnte letztlich auch Wipperfürth profitieren.

Glaubt man Dr. Reimar Molitor vom Verein „Region Köln/Bonn e.V.“, muss es jetzt schnell gehen: Explodierende Mietpreise und der immer stärker in Erscheinung tretende Wohnungsmangel in Köln ließen vor allem Familien in die umliegenden Kommunen flüchten, berichtete der Diplom-Geograph auf einer Veranstaltung in Kürten. Damit diese auch zukünftig in einer möglichst akzeptablen Zeit zu ihren Jobs in die Domstadt gelangen können, seien „mutige Schritte“ erforderlich. Der Stillstand auf den Straßen werde sich weiter verschärfen, Autofahrer würden zum Umstieg auf den ÖPNV gezwungen sein, „weil es keine andere Möglichkeit gibt“, so Molitor.

Für das Bergische bedeute dies zunächst einmal den Bau eines Park-and-Ride-Platzes in Kürten-Spitze sowie die Einrichtung von Schnellbuslinien. Diese könnten beispielsweise von Wipperfürth aus über Wipperfeld und Bechen nach Spitze und von dort aus weiter nach Bensberg zum KVB-Bahnhof der Linie 1 oder über Eikamp und Hebborn weiter zum S-Bahnhof Duckterath fahren. Langfristig könne die Trasse der Linie 1 von Bensberg aus weiter nach Spitze ausgebaut sowie ein zweites S-Bahn-Gleis zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach realisiert werden.

Von den geplanten Änderungen würde auch Wipperfürth in nicht unerheblichem Maße profitieren. Bei einer durchschnittlichen Fahrtdauer in die Kölner City von 82 Minuten mit der Buslinie 426 und S-Bahn-Linie 11 dürften sich bisher wohl nur wenige Wipperfürther Pendler überlegt haben, vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen. Die Chancen für eine Umsetzung stehen nicht schlecht: Im Jahr 2019 läuft der Solidarbeitrag aus, damit werden Finanzmittel frei.

>> Region Köln/Bonn e.V.

InHK: Grüne wollen Wipperfürther Einzelhandel unterstützen


Mit dieser Karte wollen sich die Grünen für das Einkaufen in Wipperfürth stark machen

Das „Integrierte Handlungskonzept“ (InHK) zum Umbau der Innenstadt spaltet weiterhin die Gemüter. Auch in diesem Jahr kommen auf Händler, Anwohner und Nutzer der City zahlreiche Bauarbeiten mit Sperrungen und Umleitungen zu. Die Wipperfürther Grünen wollen sich deshalb nun für den lokalen Einzelhandel einsetzen.

Gleich von mehreren Seiten sei das Thema Innenstadtentwicklung und damit auch das InHK nicht positiv kommuniziert worden, so die Grünen. Sowohl die Stadtspitze als auch ESW und IG lebten den integrierten Ansatz des Konzeptes zu wenig und schädigten sogar den Standort Innenstadt durch verkürzte Darstellungen und mangelnden Unternehmergeist, heißt es in einer Mitteilung auf der Internetseite der Wipperfürther Grünen. Demnach wolle der Ortsverein eine Aktion mit dem Ziel starten, „endlich wieder positive Signale und Initiativen“ auszulösen.

In ihrer Kartenaktion plädieren die Grünen für mehr Regionalität, Nachhaltigkeit und Demokratie. Die hohen Steuermittel, die von Land und Stadt in die City investiert werden, ließen sich nicht durch einen plumpen Stadtumbau rechtfertigen. Niemand werde mehr einkaufen, wenn er oder sie nun links oder rechts herum fahren soll. Viel mehr bedürfe es einer ernsthaften Umsetzung des integrierten Ansatzes, der nicht zuletzt den Einzelhandel, die Immobilienbesitzer und private Initiativen in den Fokus nimmt, so die Grünen. Eine „Politik der 70er-Jahre mit viel Betongold“ werde die Ratsfraktion nicht unterstützen, heißt es.

Gerade bei solchen Projekten sei Demokratie gefordert. Dies bedeute aber nicht, dass wenige Bedenkenträger „automatisch die Wahrheit gefressen“ hätten. Kritik sei einzubeziehen und in die Pflicht zu nehmen, finden die Wipperfürther Grünen. Wer sage, wie es nicht geht, der müsse auch sagen, wie es geht. Daher sprechen sich die Grünen für einen anderen Arbeitskreis aus, der mehr Denkweisen berücksichtigen und beispielsweise jungen Leuten die Möglichkeit geben solle, den Händlern zu sagen, was ihnen in Wipperfürth fehlt.

>> Grüne Wipperfürth

DSL-Ausbau geht zügig voran


Neu errichtetes Multifunktionsgehäuse in der Gaulstraße

Der Breitbandausbau im ländlichen Raum war auch für Wipperfürth in den vergangenen Jahren immer wieder ein großes Thema. Nicht nur Anwohner klagten über langsames Internet, auch die ansässigen Unternehmen vermissten einen schnellen DSL-Anschluss. Nun allerdings scheint sich ein Ende der trägen Datenverbindungen abzuzeichnen.

Bereits in den Jahren 2010 bis 2012 wurden die Außenbereiche Kupferberg, Kreuzberg, Egen, Hämmern, Thier, Agathaberg und Dohrgaul mit Unterstützung der Hansestadt Wipperfürth durch die Telekom mit modernster VDSL-Technik ausgestattet. Nun nimmt der von der Telekom eigenfinanzierte Ausbau für weitere rund 6.000 Haushalte im Bereich der Wipperfürther Innenstadt neue Fahrt auf. Die dafür nötigen Bauarbeiten haben bereits begonnen.

Los ging es mit den Tiefbauarbeiten in der Innenstadt, auf dem Düsterohl sowie auf der Leye, Neye und Sanderhöhe, in Münte und im Tal der Wipper bis Ohl. Diese sollen laut Telekom bis Juni 2016 abgeschlossen sein. Die ersten DSL-Multifunktionsgehäuse wurden bereits errichtet. Spätestens im vierten Quartal diesen Jahres sollen dann die fertigen Anschlüsse mit Downloadraten bis zu 100 Mbit/s über die Provider buchbar sein.

Zusätzlich zu den aktuell laufenden Ausbauten hat die Wipperfürther Verwaltung im Februar einen Förderantrag für Beratungs- und Planungsleistungen nach der Richtlinie „Förderung zur Unterstützung des Breitbandausbaus in der Bundesrepublik Deutschland“ gestellt. Mit einer Förderzusage könne nach Rücksprache mit den zuständigen Bundesministerium „kurzum gerechnet werden“, so die Verwaltung. Ziel ist es, die Versorgungslage im gesamten Stadtgebiet und in den Gewerbegebieten durch ein Fachplanungsbüro prüfen zu lassen und weitere Förderanträge zum Ausbau der verbleibenden unterversorgten Bereiche zu stellen.

Kernreaktor Tihange: Bei einem Störfall könnte auch das Bergische betroffen sein


150 Kilometer vom Oberbergischen entfernt: Das belgische Kernkraftwerk Tihange

Die Angst vor dem belgischen Kernreaktor Tihange wächst: Im Hinblick auf tausende von Haarrissen sowie die jüngste Pannenserie mit mehreren Notabschaltungen werden die Forderungen nach einer Stilllegung der Anlage lauter. Ein Störfall könnte Auswirkungen bis weit über Belgien hinaus haben – auch bei uns im Bergischen.

40 Jahre haben die drei Reaktorblöcke des belgischen Atomkraftwerks Tihange bei Lüttich jetzt auf dem Buckel. Dieses Alter merkt man ihnen auch deutlich an: Schon seit Jahren ist die Anlage für Störfälle bekannt. Immer wieder berichten die Medien von Bränden, Leitungslecks und tausenden Haarrissen in den Reaktorwänden. Getan hat sich trotz dieser Vorfälle jedoch nichts. Die belgische Atomaufsicht hat einer Laufzeitverlängerung um weitere 10 Jahre zugestimmt. Der Betreiber, der belgische Stromversorger Electrabel, behauptet: „Tihange läuft sicher und braucht keine Reparaturen irgendwelcher Art. Warum auch?“.

Dass Tihange alles andere als ein sicheres Kraftwerk ist, zeigen nicht nur die Notabschaltungen der Reaktoren in den vergangenen Tagen und Wochen. Auch Simone Mohr, Expertin für Anlagensicherheit beim Öko-Institut in Darmstadt, betont gegenüber der „Zeit“: „Für die Frage, wie sicher ein Kernkraftwerk ist, ist der Reaktordruckbehälter die relevanteste Stelle“. Je länger das Metall der Druckbehälter der Strahlung ausgesetzt sei, desto spröder werde es. „Es hält Belastungen nicht mehr so gut aus“, so Mohr. Müsse bei einem Störfall die Notkühlung angeworfen werden und sänke die Temperatur dann schlagartig um eine hohe Differenz, sei die Integrität des Druckbehälters möglicherweise nicht mehr zu gewährleisten.

Stadt Aachen will Jodtabletten an Kindergärten und Schulen verteilen

Im rund 60 Kilometer von Tihange entfernten Aachen hält man die Entscheidung der Wiederinbetriebnahme des Kraftwerks für unverantwortlich. Bei einem Unfall könne seine Ummantelung brechen, Radioaktivität austreten und die Region dadurch unbewohnbar werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Stadtratsfraktionen und des Oberbürgermeisters Marcel Philipp vom 22. Dezember. Letzterer bekomme auf Fragen an den Tihange-Betreiber Electrabel immer nur drei Antworten: „Wir stellen Strom her. Unsere Reaktoren sind sicher. Lassen Sie uns in Ruhe“, so Philipp in der „Zeit“. Daher will sich die Stadt Aachen nun selbst für den Ernstfall rüsten und zumindest an Schulen und Kindergärten vorsorglich Jodtabletten verteilen.

Zwei bis vier Stunden würde eine durch Tihange entstandene radioaktive Wolke bis in die Eifel und in den Aachener Raum benötigen – je nach Wetterlage. Und die Windsituation ist es, die darüber entscheidet, ob auch Wipperfürth von einem GAU in dem belgischen Reaktor betroffen sein könnte. Bei südwestlichen und westlichen Winden, die über das Jahr hinweg am häufigsten vorkommen, würde die Strahlung das Bergische bereits innerhalb weniger Stunden erfassen. Ob es bei einem Störfall auch bei uns Jodtabletten geben könnte, ist bislang unklar: Diese müssten nur in einem Umkreis von 100 Kilometern um den Unglücksort verteilt werden, teilte das NRW-Innenministerium auf Anfrage der „Welt“ mit. Für Evakuierungen, die im Umkreis von 20 Kilometern stattfinden sollen, lägen die Kraftwerke zu weit entfernt, heißt es.

Infoveranstaltung: Konstruktive Ideen zur zukünftigen Gestaltung des Marktplatzes


Wolfgang Mesenholl (3. v. l.) und Jan Siebenmorgen (4. v. l.) von der Planungsgruppe MWM

Bis auf wenige Ausnahmen verlief die Diskussion rund um die zukünftige Gestaltung des Marktplatzes gestern Abend in der Drahtzieherei ruhig und sachlich. Im Vorfeld hatte es Ankündigungen von Protestaktionen mit Trillerpfeifen gegeben. Stattdessen wurden viele Ideen und Anregungen in den Planungsprozess eingebracht.

Mit Spannung war die Infoveranstaltung am Mittwochabend in der Alten Drahtzieherei erwartet worden. Eine Hand voll von Einzelpersonen hatte im Vorfeld der Veranstaltung angekündigt, Trillerpfeifen verteilen und damit ihren Protest gegen die Vorhaben des „Integrierten Handlungskonzepts“ (InHK) lautstark äußern zu wollen. Letztlich kamen die Pfeifen nicht zum Einsatz, dafür brachten die etwa 180 anwesenden interessierten Bürger konstruktive Ideen und auch sachlich geäußerte Kritik zur Marktplatzgestaltung in die Diskussion ein.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Michael von Rekowski stellten Jan Siebenmorgen und Wolfgang Mesenholl von der Planungsgruppe MWM zunächst den aktuellen Sachstand der Baumaßnahmen im Rahmen des InHK sowie die Planungsentwürfe für den Marktplatz vor. Drei Varianten sowie eine Variantenkombination aus Elementen der bisherigen Entwürfe und der in den vergangenen Wochen geäußerten Ideen und Anregungen von Bürgern, Anliegern und Eigentümern präsentierten die Planer den Zuhörern. Diese unterscheiden sich im Wesentlichen durch verschiedene Gestaltungsentwürfe an der Südseite des Platzes – unter anderem mit einer Freitreppe – sowie durch variierende Zufahrtsmöglichkeiten auf den Platz.

Nach Abschluss des InHKs in etwa genau so viele Stellplätze wie heute

In der anschließenden Diskussion, die Dr. Reimar Molitor von der Region Köln/Bonn e.V. moderierte, waren einmal mehr die Parkplätze das große Thema. Neben einigen Wortmeldungen aus dem Publikum, die den Marktplatz als „zu voll gestellt“ mit Autos sehen und fragten, warum auf dem Marktplatz „überhaupt geparkt werden muss“, wurde auch Kritik an der geplanten Reduzierung der Stellplätze laut. Diese bedeute den „Tod der Innenstadt“, weil immer mehr Parkplätze wegfielen, hieß es. Laut Antwort der Planungsgruppe gebe es nach Abschluss aller Maßnahmen des InHKs im Innenstadtbereich in etwa genau so viele Stellplätze wie heute.

Doch es ging auch um andere Themen. Unter anderem wurde kritisiert, dass Wipperfürth die einzige Stadt im Bergischen Land sei, die über keine öffentliche behindertengerechte Toilette verfüge. Am Surgères-Platz sei eine solche Toilette allerdings in der Planung des InHK enthalten, antwortete Wolfgang Mesenholl. Neben der Frage nach dem zukünftigen Standort der Taxiplätze, die laut Antwort von MWM nach wie vor auf dem Marktplatz bleiben sollen, bewegte viele Anwesende auch die Befürchtung, die Marktstraße könne durch die Umgestaltung des Marktplatzes sehr viel mehr Verkehrsbelastung erfahren als bislang. In zwei der vorgestellten Varianten würde die Zufahrt auf den Platz künftig ausschließlich über die Marktstraße erfolgen.

Bürger können sich weiterhin mit Ideen und Anregungen einbringen

Wer sich über die Pläne für den Marktplatz informieren möchte, kann dies im Internet auf der Homepage der Hansestadt Wipperfürth tun oder Infos über die Citymanagerin Mery Kausemann einholen. Diese ist entweder persönlich im Alten Stadthaus am Marktplatz oder telefonisch unter Tel. 02267/64219 erreichbar. Auch Ideen, Anregungen und Kritik zu den Entwürfen können dort geäußert werden und fließen in den weiteren Planungsprozess ein. Dieser schreitet mit der Sitzung des Arbeitskreises zum InHK am 27. November sowie des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt (ASU) am 9. Dezember weiter voran.