Kernreaktor Tihange: Bei einem Störfall könnte auch das Bergische betroffen sein


150 Kilometer vom Oberbergischen entfernt: Das belgische Kernkraftwerk Tihange

Die Angst vor dem belgischen Kernreaktor Tihange wächst: Im Hinblick auf tausende von Haarrissen sowie die jüngste Pannenserie mit mehreren Notabschaltungen werden die Forderungen nach einer Stilllegung der Anlage lauter. Ein Störfall könnte Auswirkungen bis weit über Belgien hinaus haben – auch bei uns im Bergischen.

40 Jahre haben die drei Reaktorblöcke des belgischen Atomkraftwerks Tihange bei Lüttich jetzt auf dem Buckel. Dieses Alter merkt man ihnen auch deutlich an: Schon seit Jahren ist die Anlage für Störfälle bekannt. Immer wieder berichten die Medien von Bränden, Leitungslecks und tausenden Haarrissen in den Reaktorwänden. Getan hat sich trotz dieser Vorfälle jedoch nichts. Die belgische Atomaufsicht hat einer Laufzeitverlängerung um weitere 10 Jahre zugestimmt. Der Betreiber, der belgische Stromversorger Electrabel, behauptet: „Tihange läuft sicher und braucht keine Reparaturen irgendwelcher Art. Warum auch?“.

Dass Tihange alles andere als ein sicheres Kraftwerk ist, zeigen nicht nur die Notabschaltungen der Reaktoren in den vergangenen Tagen und Wochen. Auch Simone Mohr, Expertin für Anlagensicherheit beim Öko-Institut in Darmstadt, betont gegenüber der „Zeit“: „Für die Frage, wie sicher ein Kernkraftwerk ist, ist der Reaktordruckbehälter die relevanteste Stelle“. Je länger das Metall der Druckbehälter der Strahlung ausgesetzt sei, desto spröder werde es. „Es hält Belastungen nicht mehr so gut aus“, so Mohr. Müsse bei einem Störfall die Notkühlung angeworfen werden und sänke die Temperatur dann schlagartig um eine hohe Differenz, sei die Integrität des Druckbehälters möglicherweise nicht mehr zu gewährleisten.

Stadt Aachen will Jodtabletten an Kindergärten und Schulen verteilen

Im rund 60 Kilometer von Tihange entfernten Aachen hält man die Entscheidung der Wiederinbetriebnahme des Kraftwerks für unverantwortlich. Bei einem Unfall könne seine Ummantelung brechen, Radioaktivität austreten und die Region dadurch unbewohnbar werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Stadtratsfraktionen und des Oberbürgermeisters Marcel Philipp vom 22. Dezember. Letzterer bekomme auf Fragen an den Tihange-Betreiber Electrabel immer nur drei Antworten: „Wir stellen Strom her. Unsere Reaktoren sind sicher. Lassen Sie uns in Ruhe“, so Philipp in der „Zeit“. Daher will sich die Stadt Aachen nun selbst für den Ernstfall rüsten und zumindest an Schulen und Kindergärten vorsorglich Jodtabletten verteilen.

Zwei bis vier Stunden würde eine durch Tihange entstandene radioaktive Wolke bis in die Eifel und in den Aachener Raum benötigen – je nach Wetterlage. Und die Windsituation ist es, die darüber entscheidet, ob auch Wipperfürth von einem GAU in dem belgischen Reaktor betroffen sein könnte. Bei südwestlichen und westlichen Winden, die über das Jahr hinweg am häufigsten vorkommen, würde die Strahlung das Bergische bereits innerhalb weniger Stunden erfassen. Ob es bei einem Störfall auch bei uns Jodtabletten geben könnte, ist bislang unklar: Diese müssten nur in einem Umkreis von 100 Kilometern um den Unglücksort verteilt werden, teilte das NRW-Innenministerium auf Anfrage der „Welt“ mit. Für Evakuierungen, die im Umkreis von 20 Kilometern stattfinden sollen, lägen die Kraftwerke zu weit entfernt, heißt es.

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