Hauptsache CDU: Bürgermeisterwahl droht zur Parteienwahl zu verkommen

Knapp fünf Wochen sind es jetzt noch bis zur Kommunalwahl, bei der CDU-Kandidat Heribert Berster dem parteilosen Michael von Rekowski den Bürgermeisterposten abluchsen will. Doch warum haben die Christdemokraten überhaupt einen eigenen Bewerber aufgestellt? Die Bürgermeisterwahl droht zur reinen Parteienwahl zu degradieren.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Wipperfürther Christdemokraten eine ihrer herbsten Niederlagen einstecken mussten: Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2009 wollte der langjährige CDU-Bürgermeister Guido Forsting sein Amt auch weitere fünf Jahre lang fortsetzen und begann bereits mit Planungen für seine nächste Amtszeit. Die Wipperfürther Bürger machten diesen Plänen allerdings einen Strich durch die Rechnung und wählten mit recht eindeutiger Mehrheit seinen parteilosen Kontrahenten Michael von Rekowski ins Amt. Die CDU der Hansestadt war infolgedessen beschädigt und sah sich trotz ihrer zahlenmäßigen Dominanz im Stadtrat mit einem plötzlichen Aufwind der anderen Parteien konfrontiert. Ein Aufwind, der für die Unionspolitiker deshalb so überraschend kam, weil sie sich jahrelang sicher an der Spitze des Wipperfürther Rathauses wähnten und dort quasi nach Belieben schalten und walten konnten.

Über Jahrzehnte hinweg war das Bürgermeisteramt der ältesten Stadt des Bergischen Landes mit Hans-Leo Kausemann und Guido Forsting untrennbar mit der Vormachtstellung der CDU im Rat verknüpft – bis Michael von Rekowski kam. „Die Menschen wollen einfach weg von dem parteipolitischen Kram“ erklärte der damalige Bürgermeister von Hückeswagen, Uwe Ufer, die Niederlage von Forsting. Und auch Forsting selbst gestand ein: „Vielleicht hätte man vor der Wahl nach Bündnispartnern suchen sollen“. Kommunalpolitische Alleingänge der CDU waren fortan nicht mehr so ohne weiteres möglich, zumal es innerhalb der Partei vermehrt zu Uneinigkeiten kam. Unter anderem trat der bisherige Vorsitzende des Stadtverbands, Stefan Klett, im März 2012 nach personellen Streitereien zurück und überließ Bernd Schmitz das Feld.

„Wipperfürth gefällt mir“: Persönliche Fähigkeiten gehen unter

Dennoch entschied sich die Wipperfürther CDU mit dem neuen Vorstand Anfang dieses Jahres wieder dazu, mit Heribert Berster einen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen zu schicken. Mit Berster stellt sich jemand zur Wahl, der in Wipperfürth verwurzelt ist. Mit Hilfe seiner Funktionen als zweiter Vorsitzender im Thierer Schützenverein und Mitglied des Thierer Kirchenchors sowie dem plumpen Wahlslogan „Wipperfürth gefällt mir“ versucht es die örtliche CDU auf einfachstem Wege, Berster dem Wipperfürther Wahlvolk schmackhaft zu machen. Inhalte spielen dabei nur eine nachrangige Rolle. Brisante Wahlkampfthemen bemüht das Team um Berster kaum, zumal aus den Reihen der Wipperfürther CDU bislang immer wieder die gelungene Zusammenarbeit mit Michael von Rekowski in der vergangenen Wahlperiode betont wurde.

Heribert Berster tritt damit als Bürgermeisterkandidat mit einer CDU im Rücken an, deren Positionen kaum Änderungen im Vergleich zu der jahrzehntelang andauernden Alleinherrschaft unter Kausemann und Forsting versprechen. Im Hinblick auf den kreisweit höchsten Anteil von CDU-Stammwählern und die für die Union momentan günstige politische Stimmungslage hat Berster sogar beste Chancen auf einen Wahlerfolg. Die persönlichen Qualitäten und Fähigkeiten der Kandidaten Berster und von Rekowski, die im Mittelpunkt einer jeden Bürgermeisterwahl stehen sollten, gehen durch den parteipolitischen Proporz jedoch unter. Die Personenwahl am 25. Mai droht in Wipperfürth zu einer Parteienwahl zu verkommen.

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Ein Kommentar zu “Hauptsache CDU: Bürgermeisterwahl droht zur Parteienwahl zu verkommen

  1. Wäre schade, wenn ein Wahlkampf nicht durch Inhalte gewonnen wird, sondern nur durch traditionell-behaftetes Denken. Gibt es eine zentrale Anlaufstelle im Netz, wo man über die Agenda der Bürgermeisterkandidaten informiert wird?

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