Linie 426: Mit dem Bummelbus an den Rhein?

Seit vielen Jahren besteht die einzige annehmbare ÖPNV-Verbindung zwischen Wipperfürth und Köln aus der Buslinie 426 mit Anschluss in Bergisch Gladbach an die S-Bahn. An den Fahrzeiten hat sich während dieser Zeit nur wenig geändert. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember hat sich die Anbindung an die Domstadt sogar noch verschlechtert.

Samstagabend, kurz vor 23 Uhr am Gleis 10 des Kölner Hauptbahnhofs. Wer nach Wipperfürth will und sich auf dem Bahnsteig umschaut, hat große Chancen, auf Nachbarn oder Bekannte zu treffen: Es ist die letzte Verbindung, die in dieser Wochenendnacht vom Rhein in die bergische Hansestadt führt. Wer diese S-Bahn und damit auch den letzten Bus der Linie 426 verpasst, muss auf Auto oder Taxi zurückgreifen – oder die Nacht gleich ganz in Köln verbringen. Zwar verkehren die Nachtbusse der Wupsi bis zum frühen Morgen, machen aber prompt am Kürtener Kreisverkehr kehrt und fahren statt ins Oberbergische nach Bergisch Gladbach zurück.

Ähnlich katastrophal sieht die Verbindung in der Gegenrichtung aus. Seit Jahrzehnten fährt der letzte Bus in Richtung Bergisch Gladbach gegen 20 Uhr ab – egal, ob werktags oder am Wochenende. Vor einigen Jahren wurde in den Nächten von Samstag auf Sonntag zwar eine zusätzliche Fahrt um 0.15 Uhr eingerichtet. Diese endet allerdings in Kürten und ein möglicher Umstieg in Richtung Weiden, Bechen und Gladbach ist in den Fahrplänen nicht verzeichnet. Den Ansprüchen von Jugendlichen aus Thier oder Kürten, die auch mal länger als bis Mitternacht am Nachtleben teilhaben wollen, kann diese Regelung ebenfalls nicht gerecht werden.

Auch der Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember brachte nicht viele Änderungen mit sich – bis auf eine: Die werktägliche letzte Fahrt der 426 nach Bergisch Gladbach um bisher 19.55 Uhr wurde auf 20.15 Uhr verlegt. Was auf den ersten Blick nicht weiter tragisch erscheint, erweist sich nach Ankunft am Gladbacher Bahnhof mindestens als ärgerlich: Bestand bei der alten Abfahrtszeit stets ein direkter Anschluss an die S-Bahn nach Köln, kann man sich nun gerade mal noch über deren Rücklichter und die Wartezeit auf den nächsten Zug freuen.

Mit wesentlichen Verbesserungen ist auch in absehbarer Zeit nicht zu rechnen. Denn die Trägheit des Wipperfürther ÖPNV hat System: Eingekeilt zwischen drei verschiedenen Verkehrsverbünden, tragen die Busfahrpläne von Wupsi und OVAG allzu häufig nicht den aktuellen Realitäten Rechnung, sondern sind viel mehr an den starren Verbundgrenzen und damit einhergehenden finanziellen Restriktionen ausgerichtet. Auch wenn eine schnelle und adäquat getaktete Verbindung nach Köln und damit auch in die gesamte Agglomeration Rhein-Ruhr für einen mittelständisch geprägten Wirtschaftsstandort im ländlichen Raum von äußerster Wichtigkeit wäre, muss sich Wipperfürth wohl auch in Zukunft mit dem Bummelbus 426 auf die lange Reise an den Rhein begeben.

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2 Kommentare zu “Linie 426: Mit dem Bummelbus an den Rhein?

  1. Dann nimmt man sich von Kürten ein Taxi nach Wipperfürth.
    So, wie es die zahlreichen Gäste aus Wipperfürth in umgekehrter Richtung in die Wipperfürther Kirchdörfer oder nach Kürten/Hückeswagen/Frielingsdorf/Lindlar am Wochenende zumeist machen.
    Wenn jedoch tatsächlich auch nur annährend eine Wirtschaftlichkeit an der Einrichtung der Fahrten bis nach Wipperfürth bestehen sollte, dann ist die Einrichtung einer Fahrt mit Endziel Wipperfürth zumindest eine Überlegung wert.
    P.S.: Alternativ kann man ja über Marienheide nach Köln fahren… Stop – da fährt man ja sogar 2 Stunden 😉

  2. Zur Fahrt nach Köln wäre ein Schnellbus nach Engelskirchen mit Anschluß in Lindlar Richtung Bergisch Gladbach und mit günstigem Anschluß an die RB 25 in Engelskirchen sehr ansprechend. Solch ein Angebot wäre auch für Lindlar ansprechend. Im Raum zwischen Lindlar, Wipperfürth und Kürten wäre Bedarfsverkehr zu jeder Tageszeit die Lösung. Woanders gibt es schon lange ASTs und Taxibusse in den Nachtstunden. Außerdem sollte für bessere Anschlüsse an die Bahn in Marienheide gesorgt werden. Ich habe den Eindruck, daß die Politik im Nordkreis herzlich wenig ein Anliegen für besseren Nahverkehr hat. Sonst hätte man die Chance ergriffen, die Wippertalbahn schrittweise wieder in Betrieb zu setzen. Diese Chance hat es durchaus gegeben. Aber die Politik wollte die Bahn unbedingt beseitigen. Es ist nicht zu fassen!

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