Integriertes Handlungskonzept: Geplante Verkehrsführung spaltet die Gemüter

Am Donnerstag war es klar: Wipperfürth erhält 1,153 Millionen Euro für das „Integrierte Handlungskonzept“. Das teilte SPD-Fraktionschef Frank Mederlet mit. Die Verkehrsführung wird sich damit in den nächsten Jahren an vielen Stellen der Innenstadt ändern – was in der Bevölkerung keine wirklichen Begeisterungsstürme auslöst.

Es wird wohl das größte Stadtentwicklungsprojekt in der jüngeren Geschichte Wipperfürths: Die Umsetzung der Planungen des „Integrierten Handlungskonzepts“ für die Innenstadt steht in den Startlöchern. Wie die „Bergische Landeszeitung“ berichtet, lässt das NRW-Bauministerium Fördermittel von insgesamt 1,153 Millionen Euro springen. Die weitergehenden Planungen sollen jetzt zügig begonnen werden. Unter anderem wird innerhalb der nächsten drei Wochen der Runde Tisch Innenstadtkonzept tagen, die Aachener Planungsgruppe MWM wird mit dem Bauamt Details der Pläne ausarbeiten und in der Hochstraße starten Vermessungsarbeiten.

Genau hier sollen dann auch die ersten Planungen realisiert werden: Das Handlungskonzept sieht vor, den etwa 500 Meter umfassenden Bereich der Hochstraße zwischen Ellers Ecke und Einmündung Bahnstraße für den Durchgangsverkehr zu sperren. Hieraus entsteht dann quasi eine kleine Fußgängerzone, die allerdings weiterhin von den Bussen des ÖPNV befahren werden kann. Die beiden Innenstadtschlaufen Untere Straße – Hochstraße – Marktplatz sowie Bahnstraße – Hochstraße – Radiumstraße sollen dabei in jedem Fall beibehalten werden, um die uneingeschränkte Erreichbarkeit der Innenstadt für den Autoverkehr weiterhin gewährleisten zu können.

Die Vorteile der Maßnahme liegen auf der Hand: Jahrzehntelang ächzte die Innenstadt unter dem immer weiter zunehmenden Durchgangsverkehr, Lärm und Abgase machten eine gemütliche Einkaufstour in der City zu einem eher anstrengenden Erlebnis. Eine Fußgängerzone kam lange Zeit nicht in Frage, da sich der Einzelhandel bei einer autofreien Innenstadt vor Umsatzeinbußen fürchtete. Mit der Abbindung der Hochstraße als Verkehrsachse sollen diese Befürchtungen dagegen entkräftet werden: Sowohl der westliche als auch der östliche Teil des Zentrums bleiben für den Autoverkehr erreichbar, die Verkehrsbelastung wird aber deutlich abnehmen.

Allerdings stieß die geplante Änderung der Verkehrsführung bei den Wipperfürthern zunächst auf harsche Kritik. Der Innenstadt werde durch die Maßnahme „noch mehr Leben genommen“, es sollten „lieber mal Ideen zur Belebung“ statt zur Beruhigung eingebracht werden. Unklarheit herrscht offensichtlich vor allem darüber, wie der Durchgangsverkehr bei Sperrung der Hochstraße zukünftig fließen soll: Es gebe demnach keine stadtnahen Möglichkeiten, den Verkehr abzuleiten. Die Ringstraße werde dadurch noch mehr zur Staustraße. Bereits jetzt gebe es an der Kreuzung Egener Straße/Westtangente zur Hauptverkehrszeit „Stau ohne Ende“. „Das kann alles nicht wirklich gut gehen“ – so die offenbar einhellige Meinung in der Bevölkerung.

Fakt ist: Die Öffentlichkeit hatte und wird die Möglichkeit haben, sich an den Planungen der Maßnahmen zu beteiligen. Ein großes Problem scheint bislang die mangelnde Information der Bevölkerung über die Planungsdetails zu sein. So sind zur Zeit auch zahlreiche Gerüchte im Umlauf, in denen unter anderem von einer Fußgängerzone in der Unteren Straße oder von einer komplett autofreien Innenstadt die Rede ist. Dabei gab es bereits mehrere Informationsveranstaltungen seitens der Stadt und der Planungsgruppe, welche das Projekt detailliert vorstellten und bei denen sich die Öffentlichkeit einbringen konnte. Umfangreiches Informationsmaterial zum „Integrierten Handlungskonzept“ ist darüber hinaus auch im Internet zu finden.

>> Präsentation Bürgerinformation 15. November 2011
>> BLZ-Artikel „Jetzt sind die Bürger gefragt“, 17. November 2011
>> Präsentation Bürgerinformation 19. März 2012
>> ETH Zürich: „Auswirkungen des Verkehrs auf die historische Innenstadt“

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