Der schlafende Riese erwacht nicht

In den Sommermonaten ist es besonders offensichtlich: Während sich andernorts ständig neue und innovative Open-Air-Konzerte und Outdoor-Festivitäten in den zentralen Lagen der Städte und Gemeinden erfolgreich etablieren, schlummert in Wipperfürth der schlafende Riese Marktplatz weiter unbekümmert vor sich hin.

Noch vor ein paar Jahren wurde in Politik und Gesellschaft eifrig darüber sinniert, wie man den Marktplatz attraktiver gestalten könnte. Von einer Ausweitung der gastronomischen Flächen war die Rede und sogar der Bau einer Tiefgarage unter dem Platz wurde in Betracht gezogen. Die Maßnahmen sollten dazu beitragen, den Marktplatz wieder zu einem zentralen Treffpunkt sowie einem Ort der Entspannung und Erholung mit hoher Aufenthaltsqualität zu machen. Und nicht zuletzt sollte er wieder vermehrt Raum für Veranstaltungen in der historischen Mitte der Stadt bieten. Veränderungen hat es bis heute allerdings nicht gegeben. Im Gegenteil: Die Gastronomie drängt sich noch immer am Rand des Platzes und viele Veranstaltungen gibt es schlichtweg nicht mehr.

Ein Blick in unsere Nachbarstädte: In Hückeswagen gibt es seit Jahren im Sommer das Open Air „Hückeswagen live“ unter dem Motto „Immer freitags, immer vorm Schloss, immer live“. Jede Woche finden sich mehrere hundert Personen vor dem Schloss ein, um dem Konzert einer Live-Band zu lauschen. Für die Adventszeit hat man im Rathaus eilig für die Eislaufbahn Interesse bekundet, die bisher in Radevormwald aufgebaut wurde. In Halver begeistern der Halveraner Kart Cup „Rund ums Rathaus“ sowie das „Midsummer Open Air“ jedes Jahr tausende Besucher.

Blicken wir in unsere eigene Stadt, haben viele Open-Air-Veranstaltungen in den letzten Jahren an Qualität verloren oder finden gar nicht mehr statt. Angefangen beim Stadtfest, das ehemals die komplette Innenstadt füllte und bis hin zum Kölner-Tor-Platz mit Attraktionen verschiedenster Art mehrere tausend Besucher anlockte, heute dagegen abseits vom Stadtlauf nur noch eine weitgehend ideenlose Ansammlung von einigen fliegenden Händlern und Imbissbuden darstellt. Der „Weihnachtsmarkt“ auf dem Marktplatz: Ein fast schon tragikomisch anmutendes Gemisch aus Plastikbuden und Lautsprechern mit hemmungslos penetrantem Gedudel, auf das sich höchstens mal ein paar wenige Passanten verirren. Und auch das Hansefest im Frühjahr verliert zunehmend an Reiz, weil es schlichtweg an Innovationen und Alleinstellungsmerkmalen fehlt.

Dabei gab es in den vergangenen Jahren einige positive Tendenzen, was eine Inwertsetzung des Marktplatzes angeht: Veranstaltungen wie das Public Viewing bei der WM 2010, das „SchoolsOut Festival“, die City-Kart-Rennen und auch die Auftritte von Jürgen Drews, Peter Wackel und Tim Toupet auf dem Stadtfest stellten Anziehungspunkte dar, zu denen auch Besucher aus dem weiteren Umland nach Wipperfürth gelockt wurden. All diese Veranstaltungsreihen wurden nicht weitergeführt und auf dem Stadtfest treten im Hauptkonzert am Samstagabend zwar zweifelsohne unterhaltsame, aber nicht allzu bekannte und daher kaum die Massen anziehende Coverbands auf.

Was läuft also im Vergleich zu anderen Städten schief in Wipperfürth? Der ESW beschränkt sich verständlicherweise darauf, Marktveranstaltungen in Kombination mit verkaufsoffenen Sonntagen wie den Mittelaltermarkt zu fördern, um den Einzelhandel in der Innenstadt zu stärken. Bei der Stadt werden potentielle Veranstaltungen im Hinblick auf die mehr als klamme Finanzlage und die nach der Love-Parade-Katastrophe neu eingeführten Sicherheitsbestimmungen lieber dreimal statt zweimal überprüft, bevor sie durchgeführt werden. Und schließlich ist die Bürgerstiftung „Wir Wipperfürther“ darauf erpicht, möglichst viele gewinnbringende Events in die „Alte Drahtzieherei“ zu holen, um am Jahresende zumindest eine schwarze Null erzielen zu können.

Der Wipperfürther Marktplatz hat ein unermesslich großes Potential. Das historische Ambiente und die Vielzahl an Gaststätten in direkter Umgebung verleihen ihm eine Alleinstellungsoption, welche sonst nur stark frequentierte Altstadtplätze wie der „Alte Markt“ in Köln ihr Eigen nennen können. Doch genutzt wird diese nicht. Die Gastronomie wird neben der dominierenden Parkplatzfunktion nur als Randerscheinung wahrgenommen und die wenigen bestehenden Events tragen nicht wirklich zu einer Aufwertung der Innenstadt bei. Der Riese schläft weiter.

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Ein Kommentar zu “Der schlafende Riese erwacht nicht

  1. Stadt Wipp bekommt nichts auf die Reihe darum sollte man die komplette Rathsebene ausgewechselt werden für junge und fische leute die gute ideen haben um wipp besser zu machen. aber das wird nie passieren da es nur um Geld Macht und politik geht.

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