Wipperfürth: Hexen, Drogen, Gewalt und Tod?

Seit mehr als sechs Jahren geistert ein Video im Internet umher, in dem eine wahre Horrorgeschichte erzählt wird. Es geht um die Hexen von Wipperfürth, die in der Elisabethstraße der späten 60er Jahre ihren kleinen Bruder dem Satan opfern wollten. Noch heute sind nur wenige Menschen fähig, das Geschehene in Worte zu fassen…

Es werden nur Schwarz-Weiß-Bilder alter Wipperfürther Postkarten gezeigt. Dazu die unheimliche Stimme eines Sprechers aus dem Off. Schon nach einigen Sekunden wird dem Zuschauer eine gruselige Stimmung vermittelt. Im April 1968 soll es gewesen sein, als die 16-jährige Susann W. auf dem Bürgersteig der Elisabethstraße zusammenbrach, sich vor Schmerzen krümmte und mit schweren Vergiftungserscheinungen in die „Kurklinik“ des „Mineralbades“ eingeliefert wurde, weil Wipperfürth „über kein eigenes Krankenhaus verfügt“.

Das Problem: Wipperfürth war nie „Mineralbad“ und hatte auch schon seit Jahrzehnten ein eigenes Krankenhaus. Und das war noch nicht alles. Die angebliche Tat eines fünfköpfigen Hexenzirkels um Susann W., der unter Drogeneinfluss den 5-jährigen Bruder von Nicole S. gefesselt und geknebelt haben soll und von denen zwei der Mädchen an den eingenommenen Halluzinogenen verstorben sein sollen, gab es nie. Die komplette Geschichte basiert offenbar auf der Fantasie der Videoproduzenten, die aus den Bildern der Postkarten heraus entstand. So wird auch behauptet, die „bundesdeutsche Bäderkonferenz“ habe Wipperfürth den Status als „Bad“ auf Grund der Ereignisse aberkannt und in der Elisabethstraße sei am Tatort ein Schwimmbad entstanden.

Auch der Rest der Geschichte beruht auf schlichten Elementen eines Horrormärchens, das mit der Realität nicht wirklich etwas zu tun hat. Demnach sollen die Hexen dafür gesorgt haben, dass sich der Stadtkämmerer in seinem Amtszimmer umbrachte. Anschließend hätten sich zwei der drei überlebenden Mädchen vom Hochhaus an der Sanderhöhe gestürzt. Die übrig gebliebene Nicole S. soll in eine Psychiatrie eingewiesen worden sein. Noch heute sind nur wenige Menschen fähig, das Geschehene in Worte zu fassen – weil das „Geschehene“ niemals geschehen ist.

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