Hochstraße: „Architektur von der Stange“

Seit einigen Wochen hat der Neubau in der Hochstraße gegenüber der Einmündung Bahnstraße Gestalt angenommen. Dort, wo sich über 130 Jahre lang ein schmuckes bergisches Schieferhaus befand, „bereichert“ jetzt ein modernes Wohngebäude mit gläsernen Balkons und gelbem Außenputz das bislang historisch geprägte Stadtbild.

Als Hubert Peppinghaus um das Jahr 1880 sein Wohnhaus errichtete, hätte er wohl nicht im Traum daran gedacht, dass es bis ins Jahr 2013 hinein Bestand haben möge. Auf dem Gelände, wo sich heute die Volksbank und ein Drogeriemarkt befindet, betrieb Peppinghaus zu dieser Zeit eine Holz- und Kohlenhandlung. Direkt gegenüber, in der Hochstraße 51, wohnte Peppinghaus mit seiner Familie und betrieb bis zu seinem Tod eine Gastwirtschaft. Später übernahm Wilhelm Roth die Gaststätte, bevor die Familie Potthoff sie jahrzehntelang erfolgreich weiterführte. In den letzten Jahren seines Bestehens beheimatete „Haus Peppinghaus“ unter anderem ein China-Restaurant.

Eine wechselvolle Geschichte des Hauses also, das Georg Stefer, zuständiger Immobilienmakler der Volksbank Wipperfürth-Lindlar, im „Inside-Magazin“ als „Schandfleck“ bezeichnete und damit den Abriss des traditionsreichen Schieferhauses begründete. Mit seiner Äußerung zog Stefer bereits Anfang 2012 viel Unmut aus den Reihen der Bürgerschaft auf sich, zumal die damals offen gelegten Pläne des Neubaus einen schmucklosen Neubau ohne Bezug zum historischen Stadtbild versprachen. So machten schnell Gerüchte über einen „hässlichen Klotz“ die Runde, der dort gegenüber der Einmündung Bahnstraße errichtet werden sollte.

Noch brisanter erschienen die Abriss- und Neubaupläne angesichts der Berichte ehemaliger Bewohner des Gebäudes, nach denen dringend notwendige Reparatur- und Sanierungsarbeiten über Jahre hinweg unterlassen wurden. So erweckte „Haus Peppinghaus“ zum Schluss nicht nur einen heruntergekommenen und baufälligen Eindruck – sondern wurde dadurch letztlich auch zum Spekulationsobjekt. Rein finanzielle Interessen gaben somit den Ausschlag, das historische Gebäude abzureißen. Die Stadt Wipperfürth äußerte keinerlei Bedenken gegen die Pläne.

Seit Entfernung des Baugerüstes bleiben immer wieder Passanten auf der Straßenseite gegenüber des „modernen“ Neubaus stehen und schütteln ungläubig mit dem Kopf. Von „Architektur von der Stange“ ist die Rede, das neue Gebäude passe nicht zu dem typisch bergischen Ensemble der Innenstadt. In zahlreichen anderen Städten mit ähnlich historisch gewachsenem Stadtbild hätten die baurechtlichen Rahmenbedingungen den Neubau in dieser Ausprägung gar nicht erst ermöglicht. So gibt es teilweise strenge Maßgaben für Baukörper, Dachlandschaften, Wandflächen, Balkone, Fenster und Türen zur „Erhaltung des ortsbildprägenden Erscheinungsbildes“. Für die älteste Stadt des Bergischen Landes gibt es eine Satzung in dieser Form und Stringenz bislang noch nicht.

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Ein Kommentar zu “Hochstraße: „Architektur von der Stange“

  1. Also mir gefällt das neue Gebäude gut. Es wird Zeit das sich in Wipperfürth endlich was verändert. Anstatt dieses Gebäude du beanstanden sollte sich die Stadt mal damit beschäftigen das die ,,Jugend “ die Stadt verlässt abgesehen von Apotheken und Bäckereien finden sich hier lediglich leerstehende Geschäftsräume die aufgrund der horenden Ladenmieten sich bei Bezug nicht lange halten. Das ist ein Thema mit dem man sich beschäftigen sollte.

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