Mobil mit Bus und Bahn – auch in Wipperfürth?

Der öffentliche Nahverkehr ist in Wipperfürth außerhalb des Schülerverkehrs nicht sehr gefragt. Im Vergleich zu ländlichen Gemeinden ähnlicher Größe und Einwohnerzahl ist die Hansestadt dennoch noch recht gut durch den Busverkehr erschlossen. Verbesserungsbedarf gibt es allerdings an allen Ecken und Enden.

Auch wenn die Mai-Umfrage mit 116 Teilnehmern nicht sonderlich repräsentativ ist, zeigt sie dennoch eine Tendenz auf, die in der ältesten Stadt des Bergischen Landes zweifellos vorhanden ist: Der Busverkehr von OVAG und Wupsi hat für die Wipperfürther nur eine verschwindend geringe Bedeutung. Auf Kreisebene gaben in einer Umfrage von 2008 50% der Befragten an, den ÖPNV in Oberberg nie zu benutzen. Nur 13% nutzen ihn mehrmals in der Woche. Zum Vergleich: Im Kölner Stadtgebiet fahren über die Hälfte der Befragten mehrmals wöchentlich mit Bus und Bahn.

Es ist auch nicht verwunderlich, dass der Wipperfürther Busverkehr nicht sonderlich attraktiv für potentielle Fahrgäste ist. Die Verbindungen sind insbesondere in den Randzeiten mehr als dürftig. Ein Beispiel: Wer von Wipperfürth in die 13 Kilometer entfernte Nachbarstadt Halver muss und dabei nicht auf das Auto angewiesen sein will, muss erst mit der 336 nach Hückeswagen, dann mit der 339 nach Radevormwald und dort in die Linie 134 nach Halver umsteigen. Zeitaufwand für den 27 Kilometer langen Umweg: Eine Stunde und 13 Minuten. Die Direktverbindung mit der Linie 55 wurde schon vor einigen Jahren bis auf wenige Fahrten im Schülerverkehr eingestellt.

Auch wer mal eben nach Köln will, ist von Wipperfürth aus nicht wirklich schnell in der Domstadt. Während es in Lindlar schon längst eine Schnellbus-Verbindung über Bensberg gibt, muss man bei uns erst umständlich mit der 426 über Thier und Kürten nach Bergisch Gladbach zuckeln, um dort in die S11 umzusteigen. Dumm aus der Wäsche schauen diejenigen, die abends in Köln ausgehen und in Bergisch Gladbach den letzten „nächtlichen“ Bus nach Wipperfürth um 23.17 Uhr verpassen. Wirkliche Nachtbusse, die ihren Namen auch verdient haben, verkehren danach nur bis Kürten.

Es gäbe so einiges zu tun beim Thema ÖPNV in Wipperfürth, vieles würde wohl jedoch an den entstehenden Kosten scheitern. Doch selbst für kleine und vergleichsweise leicht umsetzbare Maßnahmen scheint man bei den zuständigen Stellen von VRS, OVAG und Wupsi kaum Gespür zu haben. Beispielsweise würde eine bessere Verknüpfung der Linien 336 und 426 zu einer attraktiveren Verbindung zwischen dem Rheinisch-Bergischen und den oberbergischen Nordkreiskommunen führen. Auch eine Verkürzung der Wupsi-Nachtbuslinie N43 auf den Streckenabschnitt Bergisch Gladbach – Weiden und die parallele Einrichtung von zusätzlichen Wochenend-Nachtfahrten der 426 bis Kürten mit Bedarfsweiterfahrt nach Wipperfürth würde einige Verbesserungen mit sich bringen.

Die Mühlen in der ÖPNV-Planung mahlen jedoch langsam und so dürfte es mindestens noch einige Jahre dauern, bis derartige Maßnahmen umgesetzt werden. Die Grenzlage von Wipperfürth zwischen den drei Verkehrsverbünden VRS, VRR und VRL erschweren mögliche Fortschritte noch zusätzlich. Zumindest der Wipperfürther Busbahnhof wird in absehbarer Zeit durch das „Integrierte Handlungskonzept“ ein neues und ansprechenderes Gesicht bekommen. Unter anderem wird es eine neue Verkehrsführung, neue Wartehäuschen und Sitzmöglichkeiten geben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s